Chance für Garbenheimer Neubaugebiet nutzen: Dezentrale Energieversorgung durch Blockheizkraftwerk soll geprüft werden Antrag in der Garbenheimer SPD Stadtverordneten Brigitte Droß von der Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich beschlossen. Erstmals soll für ein neu zu erschließendes Wetzlarer
Baugebiet geprüft werden ob sich die Nutzung alternativer Energieversorgungssysteme wirtschaftlich darstellen läßt. 21. April 2007
Welcher Häuslebauer stellt sich heute beim Bau seines Hauses noch die Frage , schließe ich meine Abwässer an das öffentliche Kanalsystem an, oder baue ich eine Klärgrube. Was heute auf diesem Gebiet Standard ist , nämlich der
Anschluss an das allgemeine Kanalnetz, war nicht immer so. Was mit dem Hausanschluss an das öffentliche Abwassersystem funktioniert hat könnte zukünftig in umgekehrter
Weise auch beim Anschluss an eine dezentrale Versorgung mit Wärme und Strom für den einzelnen Bauherrn klappen. Vor dem Hintergrund immer knapper werdender Vorkommen an nicht nachwachsenden Rohstoffen wie Gas und Erdöl und
demzufolge immer weiteransteigender Energiekosten müssen zwangsläufig die „ alten eingefahrenen Wege „ der Energieversorgung für die Haushalte verlassen und neue Wege der Energieversorgung erschlossen und realisiert werden.
Nachhaltiges Handeln auf diesem Gebiet heißt in jedem Falle auch die Erhöhung des Wirkungsgrades aller eingesetzten fossilen Energieträger auf den derzeit technisch möglichen Stand. Mit den herkömmlichen Gas- und
Erdölbetriebenen Privaten Heizungsanlagen in den jeweiligen Wohneinheiten ist das leider nicht der Fall und der Wirkungsgrad herkömmlicher Stromkraftwerke, egal ob mit Kohle oder Atomkraft betrieben, liegt gerade einmal bei
33 Prozent. Mehr als zwei Drittel der eingesetzten Energie bleibt somit ungenutzt und wird aus dem Schornstein verpulvert. Als ein neuer Weg, mit größerer Effizienz die eingesetzte Energie zu nutzen, ist die
dezentrale Energieversorgung ganzer Wohngebiete anzusehen. Und hier liegt es auf der Hand, wenn ein Baugebiet neu erschlossen wird, die Versorgung mit Strom und Wärme dezentral in unmittelbarer Nähe zur Bebauung einzuplanen.
Blockheizkraftwerke, betrieben mit der umweltschonenden Technik der Kraft-Wärme-Kopplung sind hierfür geradezu prädestiniert. Der in KWK-Blockheizkraftwerken erzielbare Gesamtwirkungsgrad liegt deutlich über 80%. Gegenüber
herkömmlichen Heizungsanlagen wäre bei einer solchen Anlage eine bessere Primärenergieausnutzung sichergestellt. Auch Geothermieanlagen, die mittels Erdwärme Wärme und Strom erzeugen, stellen eine Alternative zur
jetzt üblichen Praxis der Wärmeversorgung von Gebäuden dar. Beide Techniken wirken sich darüber hinaus als ein Segen für unsere Umwelt aus, reduzieren sie doch den Ausstoß des schädlichen Treibhausgases CO 2 in beachtlicher Höhe.
Angesichts dieser Faktenlage und der Tatsache, das im Wetzlarer Stadtteil Garbenheim für das zukünftige Baugebiet „ Am Rothenberg“ am 12, Dezember 2006 der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 8 verabschiedet
wurde, hat die SPD-Stadtverordnetenfraktion in der Februar Sitzung der Stadtverordnetenversammlung für den nachfolgenden Antrag eine Mehrheit bekommen. „ Nach Verabschiedung des Aufstellungsbeschlusses am 12.12.2006 für den
Bebauungsplan Nr. 8 – Am Rothenberg – in Wetzlar, Stadtteil Garbenheim, ist im weiteren Verfahren zu prüfen, ob die dezentrale Energieversorgung über eine Nahwärmenetz mittels Energieerzeugungsinseln in die Planung mitaufgenommen
werden kann. Dabei ist besonders die Möglichkeit der einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage ( Blockheizkraftwerk ) – betrieben entweder konventionell ( mit Gas bzw. Öl) oder nachwachsenden Rohstoffen ( Biomasse ) und die Errichtung
einer GeoThermianlage zu prüfen.“ In der SPD- Stadtverordnetenfraktion rechnet man mit einem positiven Ergebnis der Prüfung. Zum einen gibt es landauf, landab bereits zahlreiche Kommunen, die neu entstandene Wohngebiete mit Ein-
und Zweifamilienhäusern, mittels Blockheizkraftwerken versorgen. Andernorts betreiben städtische Energieversorger Blockheizkraftwerke in ihrem Stadtgebiet. Und nicht zuletzt ist Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette
überall voll des Lobes, wenn auf dem Gebiet der Energieversorgung in Mittelhessen von Privatpersonen neue Wege begangen werden. Bleibt zu hoffen, dass Wetzlars Magistrat mit seiner bürgerliche Koalition nicht nur in
Sonntagsreden von den vielen nachhaltigen Alternativmöglichkeiten im Hinblich auf die Energieversorgung spricht, sondern sich ihrer Verantwortung auf kommunaler Ebene für die Umwelt und für zukünftige Generationen bewusst ist und
hier entsprechend handelt. |
Mit Kraftwärmekopplung gegen die Übermacht der Klimakiller 10.
Dez. 2007 Ministerpräsident Koch stärkt mit der Forderung nach einem Bau neuer Reaktoren der Versorgungswirtschaft den Rücken und sein Energieminister fordert, deren Macht durch Zwangsverkäufe von Kraftwerken zu brechen. Das ist
nur auf den ersten Blick widersprüchlich. Bei genauem Hinsehen ist es konsequent. Hessen ist Schlusslicht im Ländervergleich der Versorgung mit umweltfreundlicher Energie. Zur Zeit setzt die Regierung alles daran, dass dies so
bleibt, indem sie die Windenergieflächen landesplanerisch zurückfährt. Neue Atommeiler wird es allein schon wegen fehlender Akzeptenz nicht geben und ebensowenig Zwangsverkäufe von Kraftwerken. Letztere bedingen
Marktpreisabsenkungen und daraus resultierende Entschädigungszahlungen, die niemand aufbringen kann. So arbeitet Hessen zielgerichtet darauf hin, daß es Laufzeitverlängerungen für bestehende Atommeiler und neue
energieverschwendende Großkraftwerke geben muß. Das eigentliche Problem, dessen wirkliche Lösung ernsthafte Auseinandersetzungen mit der Kraftwerkswirtschaft auslösen würde, wird dabei elegant umschifft, nämlich der unglaublich
verschwenderische Einsatz von Primärenergie in den Großkraftwerken. Der ist es nämlich, der auch künftige Energiepreissteigerungen unausweichlich macht. Die deutsche Stromwirtschaft (Atom, Gas, Öl, Kohle) produziert mit einer
Energieeffizienz von unter 40 % und gibt doppelt soviel Wärme an die Umwelt ab als für die Heizung des gesamten deutschen Wohnungsbestandes benötigt wird. Würde man die Hälfte der Stromproduktion in Kraftwärmekopplung mit
nahezu 90%iger Energieausnutzung durch unterschiedlich große Blockheizkraftwerke in Verbrauchernähe realisieren, müsste man in Deutschland weder über Laufzeitverlängerungen für Atommeiler nachdenken noch über den Bau neuer
Kraftwerke. Man bräuchte die Flüsse im Sommer nicht mehr in unverantwortlicher Weise aufzuheizen. Der Klimaschutz würde ohne jeglichen Komfortverlust signifikant verbessert. Die deutsche Volkswirtschaft würde durch den
reduzierten Energieimport eine dramatische Entlastung erfahren, dsgl. die nationale Energiebilanz. In Verbrauchernähe produzierter Strom erfordert darüber hinaus weniger Überlandleitungen (in Hessen soll demnächst
wieder eine neue gebaut werden!) und bewirkt deutlich weniger Steuerungsaufwand und Leitungsverluste. Bei 90%iger Energieumwandlung könnte man sogar wieder mittelfristig den Einsatz von Kohle akzeptieren, um die
außenpolitisch unerträgliche Abhängigkeit von den Gas- und Ölförderländern wenigstens abzumildern. Langfristig befreit uns dies natürlich nicht von der Notwendigkeit, Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen zu
gewinnen. Die Kraftwärmekopplung, die im übrigen erheblich weniger Kosten pro vermiedener Tonne CO2 verursacht als – wenn man einmal von der Abfallwirtschaft absieht – alle anderen umweltfreundlichen Techniken, wird von der
Bundesregierung endlich zunehmend gefördert. Das reicht indes nicht aus .Für die Rückabwicklung der vom nationalsozialistischen Energiewirtschaftsgesetz („gegen schädliche Auswirkungen des Wettbewerbs“) in Gang gesetzten
Konzentration der Stromwirtschaft, bräuchte man zwar kein Gesetz, das Entschädigungsforderungen irgendwelcher Art auslöst. Zur Beschleunigung der kombinierten Energieumwandlung in Strom und Wärme, die auch den Stadtwerken
wieder Luft zum Atmen gäbe, bedürfte es lediglich einer Umschichtung der Energiesubventionen mit Orientierung an den Kosten pro vermiedener Tonne CO2. Diese müsste stärker ausfallen als von der Bundesregierung beschlossen. Damit –
und nur damit –kann man den Zeitgewinn verantwortlich bewirken, der erforderlich ist, um die erneuerbaren Energien auf ein volkswirtschaftlich vertretbares Kostenniveau zu bringen. Zugleich würde damit die Energieversorgung
wieder dezentralisiert und – mit allen Chancen der Gemeinwohlorientierung – demokratisiert.
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Politische Stadtführung fährt Enwag an die Wand
28. September 2008 Die Enwag versteht sich schlicht und einfach als Käufer von Strom und Gas, der sich um günstige Konditionen bemüht und
diese an die Verbraucher weiterreicht. Alle anderen modernen Möglichkweiten der Ergebnisverbesserung durch kombinierte Eigenerzeugung von Strom und Wärme werden strikt abgelehnt. Dies geschieht zur Freude des Minderheitsaktionärs Thyga
(sprich:E.ON). Das Nachsehen haben nicht nur die Kunden und die Umwelt. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass damit die Existenz der Enwag aufs Spiel gesetzt wird. Dass es auch anders geht zeigte Reinhard Paul, technischer Direktor der
Giessener Stadtwerke (SWG), in einem Vortrag auf Einladung der Wetzlarer SPD. Mit Hilfe vielfältiger Zahlenbeispiele demonstrierte er, wie kommunale Energieversorger über den Weg dezentralisierter Erzeugung von Strom
und Wärme massgeblich zur Bewältigung der absehbaren Energieversorgungskrise beitragen können. Konkret: Die Großkraftwerke blasen bis zu 70% der bei der Stromerzeugung eingesetzten Primärenergie in die Luft bzw. in die Flüsse (im
Durchschnitt etwa 63 %). Damit könnte mehr als der gesamte deutsche Wohnungsbestand beheizt werden. Wenn aber Strom und Wärme verbrauchernah kombiniert erzeugt werden, reduziert sich der Energieverlust auf bis zu 10 %.
Die SWG erzeugt über diesen Weg mittlerweile 35% des in Giessen verbrauchten Stroms und konnte dadurch den für die Versorgung der Stadt mit Strom und Wärme erforderlichen Primärenergie-Einsatz trotz beträchtlich
gestiegenen Stromverbrauchs dramatisch absenken. Dies u.a. dadurch, dass in fast 90 % des Wohnungsbestands der städtischen und anderen Gesellschaften Kraftwärmekopplung eingeführt wurde. Dies bedeutet nicht nur eine beträchtliche
Schonung regionalwirtschaftlicher Kaufkraft, sondern auch entsprechend geringeren Umweltverbrauch. Die Wetzlarer Enwag demgegenüber betreibt überhaupt keine Kraftwärmekopplung und verzichtet auch auf entsprechende Hinweise bei der
Energieberatung gewerblicher und privater Kunden. Die mehrheitlich städtisch geführte Wetzlarer Wohnungsbaugesellschaft brüstet sich in ihrem Geschäftsbericht sogar damit, bislang die Einführung von Kraftwärmekopplung verhindert zu
haben. Dies ist sicherlich kein Wunder, weil ja deren Leitlinien der Geschäftspolitik ebenso wie bei der Enwag vom hauptamtlichen Magistrat bestimmt werden. Ein Verhalten, das die Interessen der Mieter derart brutal in den Wind schlägt, bewegt
sich am Rande des Strafrechts. Auch mutet es merkwürdig an, dass in Wetzlar alljährlich im Rahmen der Energiemesse fortschrittliche Kraftwärmekopplung propagiert wird und die Räumlichkeiten, in denen das stattfindet
mit längst überholter Technik beheizt werden. Wie kurzsichtig und geschäftsschädigend diese ideologische Verbohrheit ist, zeigte sich am Ende der Veranstaltung: Die künftige Strompolitik läuft über verschärfte Regulierung darauf
hinaus, dass den Stadtwerken als Netzbetreiber in Zukunft nur noch minimale Durchleitungsvergütungen verbleiben werden und die Margen beim Stromverkauf sich unter einem Cent pro Einheit bewegen werden. Vor allem zeichnet sich ab,
dass die Umweltverschmutzungsrechte, die den Stromkonzernen z. Zt. noch geschenkt werden, von diesen ab 2013 auf Betreiben der EU käuflich erworben und auf den Strompreis umgelegt werden müssen. Dann wird Strom und Wärme aus
Kraftwärmekopplung nicht nur wegen der geringen Primärenergieverluste konkurrenzlos günstig auf den zunehmend wettbewerbsgeprägten Markt kommen. Verschmutzungsrechte müssen nur ab einer bestimmten Anlagengröße gekauft werden. Weh den
Stadtwerken, die dann nicht über dezentrale Eigenerzeugung mit minimalem CO2-Ausstoß verfügen. Kurzfristiges Umsteuern scheitert dann daran, dass dies nur zu Lasten ignorant ausgebauter Gasinfrastruktur geht. Um das Schlimmste
zu vermeiden, werden die Stadtwerke dann auf kleinere oder kleinste Einheiten der Kraftwärmekopplung gehen müssen. Aber selbst damit werden sie künftig angesichts des neu aufgelegten Förderprogramms für Kraftwärmekopplung hinnehmen
müssen, dass viele private und gewerbliche Verbraucher ihnen zuvorkommen. Die werden sie dann als Stromkunden verlieren und auch als Gaskunden kaum halten, weil sie dann aufgrund des langfristig versäumten Umstiegs auf Eigenerzeugung von Strom
durch Kraftwärmekopplung zu den eher weniger leistungsfähigen Anbietern von Strom und Gas zählen werden. Wohl den Stadtwerken wie den SWG, die sogar außerhalb Ihres engeren Zuständigkeitsbereichs strategisch in Kraftwärmekopplung
investieren. Die Problematik droht sich noch dadurch zu verschärfen, dass der Kraftwärmekopplung durch technische Weiterentwicklung mittlerweile noch ein weiterer Wettbewerbsvorteil zugewachsen ist, nämlich die Kombination mit Kühlung. Die
Vorteilhaftigkeit der Kraftwärmekopplung kommt nur dann zum Tragen, wenn die bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme voll genutzt werden kann. Dieser Vorteil muß zur Zeit noch dadurch erweitert werden, dass man Wärme über Pufferspeicher für
Zeiten aufspart, in denen kein Strom gebraucht wird. Neuere Technik macht es möglich, die Abwärme in Kälte zu verwandeln, so dass dadurch die kombinierte Technik auch im Sommer anwendbar wird und den Einsatz von Strom zu
Kühlzwecken überflüssig macht. Die lokale SPD, die schon zweimal vergeblich im Stadtparlament die Erarbeitung eines kommunalen Energieversorgungskonzepts erarbeitet hat, wird ihren Antrag erneut einbringen. Klaus Breidsprecher,
ehemaliger CDU-Bürgermeister und nach wie vor graue Eminenz der Wetzlarer Cchristdemokraten, der die Energiepolitik der Stadt bislang maßgeblich gestaltet hat, hat dem Vortrag von Herrn Paul interessiert zugehört und viel mitgeschrieben.
Wenn er klug ist, wird er sich der Entwicklung nicht mehr entgegenstemmen und darauf hinwirken, dass die Enwag und die Wohnungsbaugesellschaften den Hebel herumwerfen: Kraft-Wärme-Kopplung wo immer es geht, angefangen bei den beiden
Schwimmbädern, und parallele Förderung dieser Entwicklung auf dem privaten Sektor durch Investitionszuschüsse oder abgesenkten Gaspreis gegen Langfristverträge. Nur so haben Enwag - und damit auch die Wetzlarer Verbraucher -
überhaupt eine Chance, die Herausforderung der Energiemarktentwicklung der nächsten Jahre bestehen zu können.
Thüga-Beteiligung vertagt
SPD: Weniger der Klärungsbedarf als vielmehr die mangelnde Mehrheit in den eigenen Reihen der Koalition war Grund, die Vorlage im Geschäftsgang zu belassen
01. Juli 2009 Die WNZ titelte nach der jüngsten
Stadtverordnetensitzung, die Vorlage zur Beteiligung der enwag an der thüga bleibe wegen vieler noch zu klärender Fragen der Fraktionen im Geschäftsgang. „Dies ist eine Lesart und wohl die für Oberbürgermeister Wolfram Dette schmeichelhafte“,
erklärte der SPD-Fraktions-Vize Manfred Wagner. Den Tatsachen dürfte viel eher aber der Umstand entsprechen, dass der Oberbürgermeister von der sogenannten „Bürgerlichen Koalition“ aus CDU, FWG und FDP im Regen stehen gelassen wurde und noch
nicht einmal in den eigenen Reihen eine Mehrheit für diese Finanzanlage fand. Die Sozialdemokraten hätten, so es zur Abstimmung gekommen wäre, diesem „Deal“ ihre Zustimmung nicht geben, erklärte Wagner. In diesem Zusammenhang sei es inzwischen ein offenes Geheimnis, dass weder der Oberbürgermeister noch die Geschäftsführung der enwag anfänglich die Absicht gehabt hätten, das Stadtparlament in dieser
wichtigen Frage – immerhin gehe es um einen kreditfinanzierten Einstieg bei der thüga im Volumen von 8 Mio. Euro - zu beteiligen. Offensichtlich habe man erst nach kritischen Hinweisen aus dem Aufsichtsrat der enwag Mitte Mai den Kurs geändert
und die Beteiligung des Stadtparlaments ins Auge gefasst. Mit Blick auf das sich angeblich schließende Zeitfenster zur Abgabe der Zustimmungserklärung sei in der Folge gar von einer Sondersitzung des Stadtparlaments die Rede
gewesen. Schließlich habe der Oberbürgermeister aber die Parlamentssitzung am 26. Juni anvisiert. Noch in der Sitzung des Finanz- und Wirtschaftsausschusses am 16. Juni 2009 wurde betont, dass in der bevorstehenden Parlamentssitzung die
Entscheidung fallen müsse.
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Nun werde erklärt, es bestünde in den Fraktionen Klärungsbedarf und es böte sich auch zu einem späteren Zeitpunkt noch die Gelegenheit,
die Beteiligung an diesem Finanzgeschäft zu begründen. „Augenscheinlich gibt es aber auch in den Koalitionsfraktionen keine Mehrheit für die Beteiligungsstrategie des Oberbürgermeisters, so
dass sich die Koalitionäre veranlasst sahen, mit dem Hinweis auf weitere Fragen eine „Vertagung“ in Vorschlag zu bringen“, betonte Wagner. Dies klinge schließlich auch viel freundlicher als die
Feststellung, dass die Koalition ihrem Oberbürgermeister nicht gefolgt sei. Auf die Haltung der SPD-Fraktion angesprochen machte der Fraktions-Vize deutlich, dass die SPD nach einer Information durch
die Geschäftsführung der enwag und einer anschließenden und sehr gründlichen Diskussion zur Vorbereitung der letzten Stadtverordnetensitzung festgelegt habe, dem Vorschlag zum Einstieg bei der thüga nicht
zu folgen. „Bei diesem Deal handelt es sich einzig um ein Finanzanlagegeschäft. Die in der Vorlage genannten Beratungs- und Einkaufsvorteile sind aufgrund der Beteiligung der thüga an der enwag derzeit gegeben und es ändert
sich nichts“, fasste Wagner die Beratung seiner Fraktion zusammen. Da die enwag nicht in ausreichendem Maße über liquide Mittel verfüge, um dieses Geschäft zu stemmen, sei die Aufnahme von
Fremdkapital vorgesehen gewesen. Für kreditfinanzierte 8 Mio. Euro hätte man Anteile von 0,2 % an der thüga erworben. Damit seien die Einflussmöglichkeiten an diesem Unternehmen nahe „Null“ gewesen.
Mit der zusätzlichen Kreditaufnahme wären der enwag dem Grunde nach aber die Spielräume genommen worden, um den Beispielen anderer Stadtwerke folgend vor Ort in Energie- und Klimaschutzmaßnahmen zu investieren und einen Beitrag zur
Erreichung der durch die Bundesregierung vorgegebenen Klimaschutzziele bis zum Jahr 2020 zu erbringen. „Diese Form der Wertschöpfung vor Ort hat für uns aber Priorität.
Damit kann die Abhängigkeit von den Großkonzernen reduziert und ein Beitrag zur langfristigen Sicherung des Unternehmens und der Arbeitsplätze erbracht werden“, stellte Wagner für seine Fraktion abschließend fest.
Trotz positivem Gutachten - kein Blockheizkraftwerk für Wetzlarer Rathaus
17. Oktobe2 2009 Selbstzweifel sind der Wetzlarer Rathauskoalition von CDU / FDP und FWG eher fremd: Entschieden ist entschieden, dabei bleibt es, auch wenn es falsch war - und Schluß und Aus ! So hat die Koalition vor einiger Zeit auf Vorschlag des zuständigen Baudezernenten Achim Beck (CDU) entschieden, das Wetzlarer Rathaus konventionell mit Gas zu heizen. Beck, der nach Auffassung quer durch alle politische Lager in Wetzlar als Baudezernent mit komplexeren Problemstellungen zunehmend überfordert ist, bewegt sich damit exakt auf der Linie des städtischen Energieversorgers Enwag.
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Für die Geschäftsleitung der ehemaligen Wetzlarer Stadtwerke ist Kraftwärmekopplung Teufelswerk, denn es gilt nach wie vor, dass
Energieeinsparung den Umsatz reduziert und damit schädlich für’s Geschäft ist. Ein Blockheizkraftwerk für das Rathaus sei zu laut, benötigte zu viel Aufstellfläche und sei vor allem unwirtschaftlich, so
die fachliche Bewertung des Wetzlarer Baudezernenten Beck. Die beiden ersten Argumente mußte der Baudezernent kurzfristig zurücknehmen; gibt es doch mittlerweile viel zu viele Beispiele, die
das Gegenteil beweisen. Auf dem letzten Argument, ein Blockheizkraftwerk für das Wetzlarer Rathaus sei unwirtschaftlich, bestand er indes mit Nachdruck. Ein externes Fachbüro habe ihm dies
angeblich rechnerisch dargelegt. Das mag durchaus sein, obwohl Beck den Beleg hierfür noch schuldig ist. Er hat es offensichtlich, wie schon so oft, einfach behauptet. Inzwischen hat sich die Enwag durch ein renommiertes
Wirtschaftsberatungsunternehmen ein Gutachten über Sinn und Nutzen von Kraftwärmekopplung vorlegen lassen. Dabei konnte am Ende nichts anderes herauskommen, als das was mittlerweile jeder
Student der Energie- und Wärmetechnik als Standardwissen lernt: Kraftwärmekopplung lohnt sich nicht nur ökologisch, sondern vor allem ökonomisch - auch für Wetzlar. Man fragt sich, welche Rolle Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) in diesem Spiel künftig einzunehmen gedenkt. Es war nicht gerade
beeindruckend, wie er im Stadtparlament bemüht war, ein unter seiner Ägide als Aufsichtsratsvorsitzendem der Enwag für viel Geld eingekauftes Fachgutachten zu ignorieren. Er erklärte sich lediglich
bereit - nachdem Ex CDU-Chef Klaus Breidsprecher, der nach wie vor in der Koalition den Ton angibt, dafür grünes Licht gegeben hatte - das Gutachten in den Fachausschüssen zu präsentieren. Er, Dette,
lege allerdings großen Wert darauf, dass keine Kundendaten offen gelegt würden. Mit anderen Worten: Es darf nicht bekannt werden, wieviel Energiekosten im Rathaus eingespart werden könnten. Vom Umweltschutz gar nicht erst zu reden.
Der Clou: Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass mit einer kombinierten Versorgung des Wetzlarer Rathauses mit Wärme und Strom durch ein Blockheizkraftwerk ordentlich städtisches Geld zu
sparen wäre. Dennoch hat das Stadtparlament mit seiner bürgerlichen Mehrheit einen Antrag der SPD-Fraktion abgelehnt, die Möglichkeiten des Einsatzes von Kraftwärmekopplung durch ein
kompetentes Ingenieurbüro überprüfen zu lassen. Einmal abgelehnt ist immer abgelehnt.
Von alldem bekommt die heimische Presse nichts mit, zumindest war bislang davon in der Lokalberichterstattung der WNZ nichts zu finden. Aber macht nichts, ab November gehts mit der exzessiven Karnevalsberichterstattung wieder los, allerdings vor wiederum reduziertem Leserkreis. Innerhalb des abgelaufenen Jahres ist die Abonnentenzahl der WNZ erneut um über 750 zahlende Leser gesunken.
Hrsg. SPD - Stadtverband Wetzlar ; V.i.S.d.P. Brigitte Droß, Bergstrasse 60, 35578 Wetzlar Tel 06441 2092520 ; Fax: 0180 506034747573 ; email: redaktion @ wetzlar-nachrichten.de; Veröffentlichung und Weiterverbreitung von Beiträgen und Fotos nur mit Quellenangabe und Genehmigung der Redaktion zulässig; für namentlich gekennzeichnete Beiträge übernimmt der jeweilige Autor die alleinige presserechtliche Verantwortung |