Gießen ist meilenweit voraus:

Radverkehr hat in Wetzlar keine Lobby

13. Mai 2010 Die Mobilität in einer Stadt wird nicht nur durch das Auto gewährleistet sondern auch durch den Fußgänger-, Bus- und insbesondere Fahrradverkehr. Wenn es um die Bedingungen für die Radfahrer geht, dann ist die Nachbarstadt Gießen Wetzlar meilenweit voraus.

Diese für Wetzlar wenig schmeichelhafte Feststellung mussten SPD-Fraktions-Vize Manfred Wagner und seine beiden Fraktionskolleginnen Dr. Ulrike Göttlicher-Göbel und Brigitte Droß nach einem Informationsgespräch mit dem Radverkehrsbeauftragten der Stadt Gießen, Alexander Koch, treffen.Alexander Koch
Hauptamtlicher Radwege -
Beauftragter der Stadt Gießen

Koch ist seit zwei Jahren als Radverkehrsbeauftragter in der Nachbarstadt eingesetzt. Er ist bundesweit einer von wenigen, die sich hauptberuflich um die Belange des Fahrradverkehrs kümmern. Seine organisatorische Zuordnung zur Straßenverkehrsbehörde verdeutlicht den Gießener Ansatz. Die Stadt begreift ihre Straßenverkehrsbehörde eben nicht als Dienstleister, der schwerpunktmäßig auf die Belange des motorisierten Individualverkehrs ausgerichtet ist. Sie will dem Radfahrverkehr eine gleichberechtigte Chance eröffnen.

Sicher ist der Weg dorthin auch in der Universitätsstadt noch weit und manches dicke Brett muss von Koch noch gebohrt werden. Allerdings überzeugt der politische Ansatz, der sich in den Aufgabenstellungen des Beauftragten niederschlägt. Sie sind vielfältig. Der Bogen spannt sich von der Mitgestaltung an der Verkehrsplanung der Nachbarstadt, die Betreuung des Radwegenetzes, die Initiierung von Projekte, wie z. B. die Schaffung eines Fahrradparkhauses bis hin zur Begleitung des runden Tisches „Radverkehr“, der in Gießen unter Beteiligung der Stadtregierung und der Verbände zusammenkommt.

Bemerkenswert ist zudem die Tatsache, dass die Stadt Gießen in ihrer Stellplatzsatzung auch eine Aussage zu den zu schaffenden Fahrradstellplätzen trifft. Auch dies ist ein klares Indiz für die Bedeutung, die dem Radverkehr eingeräumt wird. Schließlich kommt einem zielgerichteten Ausbau des Radverkehrs in vielerlei Hinsicht Bedeutung zu. Ob es der Tourismusaspekt, oder aber die Entzerrung der Verkehrsbelastung in den Spitzenzeiten mit der damit einhergehenden Verringerung des CO² Ausstoßes ist.

„In der Ernsthaftigkeit, mit der sich unsere Nachbarn um die Verbesserung der Bedingungen für den Radverkehr kümmern, haben sie Beispielcharakter. Wetzlar muss noch einiges tun, um den Anschluss nicht zu verlieren“, stellten Droß und Dr. Göttlicher-Göbel fest.

„Solange die Mehrheitsfraktionen im Stadtparlament aber einen großen Bogen um dieses Thema machen, wird sich kaum etwas ändern lassen“, ergänzte Manfred Wagner. Zugleich kündigte er an, dass sich die SPD dieses Themas weiter und mit Nachdruck annehmen werde. Gerade die bevorstehende Kommunalwahl stelle eine gute Plattform dar, um auch in dieser verkehrspolitischen Frage die Unterschiede zwischen seiner Partei auf der einen und den Koalitionsfraktionen von CDU, FWG und FDP deutlich zu machen.

 

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