Der Verlag Wetzlar-Druck stellt Ende September 2010  seine Marburger Ausgabe ein.

Redaktionsbüros in Marburg und Stadtallendorf werden geschlossen.

03. Juli 2010    Als Dirk Lübke, der Ex-Chefredakteur der Wetzlarer Neuen Zeitung, vergangenes Jahr seinen Hut nehmen mußte, erfuhren  die Leser des Blattes diese Personalie durch Meldungen anderer Zeitungen. Jetzt schließt der Verlag Wetzlar-Druck seine  1997 gegründete Lokalausgabe “Marburger Neue Zeitung” zum 1. Oktober diesen Jahres. Die Redaktionsbüros in Marburg und Stadtallendorf werden zugemacht. Und wieder wurden die  eigenen Abonnenten  des Blattes  über diesen Sachverhalt, wie im Fall des geschaßten Chefredakteurs, erst durch eine Meldung des lokalen Wettbewerbers, der “Oberhessischen Presse” informiert. Die Geheimniskrämerei und Nachrichtenzurückhaltung in eigener Sache ist bekanntermaßen typisch für den Verlag Wetzlar-Druck und seine Chefredaktion. Insofern wundert sich niemand wiklich.

Mit der sang- und klanglosen Einstellung der in 1997 auf den Weg gebrachten  neuen Lokalzeitung “Marburger Neue Zeitung” (MNZ) in Marburg und im östlichen Landkreis Marburg-Bieden- kopf   ist ein interessantes publizistisches Experiment gescheitert. Die Frage war damals, ob der Verlag Wetzlar-Druck gegen ein bestehendes lokales Pressemonopol, das der Oberhessischen Presse, Fuß fassen und sich  einen auskömmlichen Anteil des Anzeigen- und Abonnentengeschäftes sichern konnte.  Die Strategie dabei war auch richtig. Der Zeitungsmantel überregional und gemeinsam für die gesamte Verlagsgruppe -  in der Lokalberichterstattung sollte journalistische Qualität der Schlüssel sein, mit dem man punkten wollte. Und so hatte sich in den vergangenen 13 Jahren ein Qualitätsgefälle in der Lokalberichterstattung innerhalb der unterschiedlichen lokalen Ausgaben der Verlagsgruppe eingestellt.

Während die Lokalredaktionen in Marburg und Stadtallendorf  ihren Abonnenten zwangsläufig gute Lokalberichterstattung bieten mußten, um im Wettbewerb mit dem Platzhirsch “Oberhessische Presse” bestehen zu können, sackte parallel dazu die Qualität der Lokalberichterstettung andernorts,  insbesondere in Wetzlar selbst, wo ihreseits die WNZ eine Monopolstellung hat, deutlich in den Keller. Jetzt wird das Experiment beendet. Aus wirtschaftlichen Gründen. Die Abonnentenzahlen der Verlagsruppe Wetzlar-Druck insgesamt rauschen schon seit geraumer Zeit rasant nach unten. So sank die Abonenntenzahl der Blätter der Zeitungsgruppe Lahn - Dill innerhalb der letzten 2 Jahre nach Informationen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) von rd. 72.000 auf knapp 69.000, ein Rückgang um über 4,3 %. Während die Wetzlarer Neue Zeitung in den vergangenen beiden Jahren knapp 5 % Abonnenten verloren hat, waren dies bei der Oberhessischen Presse in Marburg, der man in 1997 eigentlich Marktanteile und Leser abjagen wollte, nur 3,25 %

Jetzt wurde die betriebswirtschaftliche Reißleine gezogen  und das Marburger Experiment seitens  Verlagsleitung und Chefredaktion abrupt beendet. Eigentlich schade für die mittelhessische Presselandschaft. 

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