Wo ist eigentlich Dirk Lübke ?

01. April 2009 Von einem Tag auf den anderen war er weg, wie vom Erdboden verschwunden.  Vor  10 Jahren war er zur Zeitungsgruppe Lahn-Dill gekommen, seit 2000 war er nicht nur Chefredakteur der WNZ, sondern der gesamten Zeitungsgruppe Lahn- Dill.

Mitte Dezember letzten Jahres muss es dann wohl heftig in der Chefetage geknallt haben. Über Nacht war Lübke aus dem Impressum herausgenommen worden. Daraufhin wurde sofort seitens Geschäftsleitung und Verlag für die Personalsache “Lübke” Schweigen verordnet.  Eine angemessene Information der  Öffentlichkeit und der eigenen Leser unterblieb jedenfalls. Der journalistische Spitzenmann  war Knall auf Fall zur Persona non grata der Zeitungsgruppe geworden und wird seitdem in den Blättern der Gruppe totgeschwiegen.

Verlagsgebäude der Zeitungsgruppe Lahn - Dill in Wetzlar

Eine kurze Information des Mediendienstes “Kress” kurz vor Weihnachten, die Zeitungsgruppe habe sich überraschend von ihrem Chefredakteur getrennt, war alles, was an Meldung darüber nach Außen ging. 

Das plötzliche Ausscheiden Lübkes ist in der Leserschaft trotzdem nicht unbemerkt geblieben. Natürlich wird über die Gründe spekuliert. Die Bandbreite reicht von  persönlichen Konflikten mit der Geschäftsleitung  bis hin zu Differenzen über die journalistisch - redaktionelle Ausrichtung der Blätter der Verlagsgruppe.

Aus Verlag und Redaktion gelangten bislang nur spärlich Informationen nach außen.  Fristlose Entlassung, unüberbrückbare Differenzen mit der Geschäftsleitung, Hausverbot waren erste Stichworte, die gerüchteweise durchsickerten

Dabei kann Lübke bescheinigt werden, dass er in den vergangenen Jahren durchaus versucht hat journalistisch neue Konzepte zu entwickeln. Auch von Kollegen wird anerkannt, dass sich unter seiner Leitung der “Mantel” der Zeitung, die überregionale Berichterstattung, qualitativ deutlich verbessert hat. Redaktionelle Beiträge der WNZ zu bundes- und landespolitischen Themen werden mittlerweile sogar regelmäßig in der morgendlichen bundesweit ausgestrahlten Presseschau des Deutschlandradios zitiert.

Dessen ungeachtet ist die Zahl der Abonnenten der WNZ in den letzten 10 Jahren um über 15 Prozent von knapp über 31000 auf 26385 Ende 2008 gesunken.  Allein im Zeitraum 2006 bis 2008 hat die WNZ mehr als 1100 Abonnenten verloren. Umso bitterer ist, wenn zugleich die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.den allen bundesdeutschen Tageszeitungen einen insgesamt stabilen Abonnentenstamm bescheinigt.

Die alte Journalistenweisheit, nach  der sich Leser- und Abonnentenbindung einer regional ausgerichteten Tageszeitung  in erster Linie an Lokalteil und Familienanzeigen festmachen, ist innerhalb der Verlagsleitung in den Hintergrund geraten.  Selbst wohlmeinende Kritiker beklagen mittlerweile den deutlichen Qualitätsverfall des WNZ-Lokalteils. Wer nach Gründen für Leserschwund und  zunehmendem Desinteresse an der Lokalzeitung sucht, wird wohl hier ansetzen müssen. Exzessive Karnevalsberichterstattung in den ersten beiden Monaten jeden Jahres, regelmäßige Mehrspalter über Veranstaltungen in Stadthalle oder Rittal-Arena, großformatige Fotos von Verlagsbesuchergruppen, sowie massivste qualitative Defizite bei der sporadischen Berichterstattung aus Kommunalpolitik, aus Gemeindeparlamenten und Ortsbeiräten belegen dies und gehen deutlich erkennbar am Informationsbedürfnis der mittelhessischen Durchschnittsleser vorbei.

Da wundert es im Übrigen nicht, wenn sich in  der Leserschaft die Sehnsucht nach Wettbewerb und einer alternativen Lokalzeitung breit macht. Es hat in dieser Richtung in der Vergangenheit auch schon vereinzelte Vorstöße und Sondierungsgespräche aus unterschiedlichsten Bereichen mit externenen Zeitungsverlagen mit dem Ziel gegeben, eine weitere Lokalzeitung für Wetzlar zu gewinnen - bislang allerdings ohne greifbares Ergebnis.

Den geschaßten Chefredakteur allein für die Abonnentenverluste verantwortlich zu machen, wäre zu kurz gegriffen. Die Frage, ob Lübke nun wegen persönlicher Differenzen mit der Verlagsleitung, wegen Auseindersetzungen über den journalistischen Kurs der Zeitung oder aufgrund der kontinuierlichen Leserverluste seinen Hut nehmen mußte - oder ob es von allem etwas war - muß weiter offen bleiben.

Am Tag nach dem Verschwinden Lübkes wurde im Impressum der WNZ Alois Kösters, der Leiter der WNZ-Lokalredaktion, als kommissarischer Nachfolger in Doppelfunktion genannt.  Diese Veränderung an der Redaktionsspitze war der WNZ, genau wie der Abberufung Lübkes selbst, wiederum keine Meldung im eigenen Blatt wert. Stattdessen konnten die Leser dieser Tage als Spitzenmeldung mehrspaltig mit Bild in der WNZ - Lokalausgabe lesen, was Cindy aus Marzahn ihrem Publikum in der Wetzlarer Stadthalle aus der Szene der Bundeshauptstadt mitzuteilen hatte. Es ist garnicht so abwegig, daß sich die Leser Lübke demnächst wieder zurückwünschen werden.

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