Landschaftsschutzgebiet Lahnaue - Gegensatz zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung 231005 Sie ist nach Auffassung aller Experten nicht nur eine der größten, sondern auch eine der ökologisch wertvollsten zusammenhängenden Grünflächen innerhalb der Stadt Wetzlar. Die Lahnaue, östlich des Niedergirmeser Industriegebietes zwischen Garbenheim und Naunheim liegend und amtlich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, wird intensiv beansprucht. Zwischen der Eisenbahntrasse Wetzlar - Gießen im Süden und der Lahn im Norden ist sie einerseits landwirtschaftliche Nutzfläche und wertvolles Biotop mit seltenen Pflanzen und Tieren. Andererseits ist sie gleichzeitig beliebtes und erheblich genutztes Freizeit- und Erholungsareal für Spaziergänger, Hundehalter, Fahrradfahrer, Segelflieger, Kanufahrer und Angler.
Und genau hier passt das Eine nicht mehr zum Anderen: Bodenbrütender Kiebitz und freilaufende Hunde, Angler, die mit dem PKW bis an das Lahnufer heranfahren, dafür das
Schilfröhricht beseitigen und brütende Wasservögel, Fahrradfahrer - oft Eltern mit Kleinkindern - und Spaziergänger auf dem Verbindungsweg quer durch die Aue zwischen
Garbenheim und Naunheim sowie Fußballfans, die unbedingt per PKW zum Spiel ihrer Mannschaft auf die angrenzende Naunheimer Lahninsel wollen.
Während sich Bello endlich einmal richtig austoben kann, Herrchen sogar manchmal - der Einfachheit halber - ihn in Schleichfahrt mit dem PKW begleitet,registriert der verzweifelte
Vogelschützer einen stetigen Rückgang der seltenen Bodenbrüter in der Aue. Während einerseits die Radtour mit den Kindern zum beliebten Naunheimer Spielplatz als halbwegs ruhiger
Familiensonntag geplant war, ist nebenan hingegen die Anreise mit dem Familienkombi erfolgt. Stolz wird bei geöffneter Heckklappe die Leistungsfähigkeit der HiFi - Anlage demonstriert,
während Campingausrüstung und Grill für das Picknick aufgebaut werden. In der Lahnaue mit der angrenzenden Naunheimer Lahninsel werden die Interessengegensätze der unterschiedlichen Nutzer und Anlieger zunehmend schärfer formuliert und sichtbar.
Um das Problem zu verstehen muß man zwei Dinge auseinander halten. Zum einen die Südseite der Aue, die Garbenheimer Seite, zwischen Lahn und Schleusenkanal im Norden und Bahntrasse im Süden. Sie ist der größere und ökologisch wertvollere Teil. Genutzt wird die Aue überwiegend durch die Landwirtschaft. Seit Jahrzehnten parallel, und ohne daß irgendjemand daran Anstoß nimmt, betreiben die Segelflieger des Wetzlarer Vereins für Luftfahrt auch dort ihren Segelflugplatz - nahezu geräuschlos, wie das bei diesem Sport nachvollziehbar ist. Was bleibt ist der Ärger über rücksichtslose Hundehalter und den einen oder anderen Angler am Lahnufer zwischen Eisenbahnbrücke und Naunheimer Schleuse, der sich ohne Rücksicht seinen Parkplatz im Uferröhricht freigeschlagen hat. Zum anderen die Naunheimer Lahninsel mit ihren Sport- und Freizeitanlagen und dem vielgenutzen und gut angenommen Spielplatz. Um auf die Lahninsel zu gelangen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder von der Naunheimer Seite aus zu Fuß oder mit Fahrrad über den eisernen Steg - oder aber über Garbenheim über den einzigen öffentlich befahrbaren Verbindungsweg quer durch die Lahnaue. Der in den letzten Jahren deutlich angewachsenen PKW-Verkehr hin zu den Sport- und Freizeitanlagen der Naunheimer Lahninsel quer durch das Landschaftsschutzgebiet “Lahnaue” wird von Landschaftsschützern mittlerweile massiv kritisiert. Die Interessen des Landschaftsschutzes und die Bedeutung der Lahnaue als wertvolles Naherholungsgebiet würden zunehmend ins Hintertreffen gegenüber den Sport- und Freizeitbelangen geraten, so die Argumentation. Dabei gibt es dem Grunde nach nur eine wirksame Lösung des Problems, die allen Interessen gerecht wird: Sperrung der Lahninsel ab dem Schleusenkanal für jeglichen PKW-Verkehr - mit Ausnahme von Versorgungsfahrzeugen. Für das Areal des Naunheimer Obst- und Gartenbauvereins gilt dies schon seit Jahren. In Höhe des Vereinsheimes des TUS Naunheim ist die weitere Durchfahrt für PKWs zum dahinterliegenden Gelände des Obst- und Gartenbauvereins durch eine Schranke gesperrt.
Es sei den Besuchern des Spielplatzes genauso wie den Fußballfans zuzumuten, von dem Parkplatz “Naunheimer Festplatz” vor dem Fußgängersteg die restlichen 200 Meter zu Fuß zu gehen, anstatt per PKW über Garbenheim bis zum Spielfeldrand oder dem Spielplatz zu fahren, so die Kritiker der derzeitigen Verkehrsführung. Hier sei eine Abwägung zwischen der Bequemlichkeit Einzelner und dem Erhalt der Lahnaue als wertvolles ökolögisches Areal vorzunehmen - und die könne nur zugunsten der Lahnaue getroffen werden. |
Nein, Wild-West will eigentlich niemand in der Lahnaue 271105 Das Thema Lahnaue war ein wichtiger
Tagesordnungspunkt auf der Garbenheimer Bürgerversammlung Ende November im Evangelischen Gemeindezentrum des Stadtteils. Der Unmut und die Sorge vieler Garbenheimer Bürger über die mittlerweile unkontrollierte
Freitzeitnutzung der Lahnaue und die vielfach von vielen Anwesenden nicht mehr als akzeptabel empfundene Belastung des Landschaftsschutzgebietes wurde dabei deutlich angesprochen . Neben der Problematik der illegalen
Müllablagerung wurde insbesondere die Belastung des Öko-Systems “ Lahnaue” durch freilaufende Hunde und die erheblich angestiegene PKW-Dichte auf dem Verbindungsweg zwischen Garbenheim und der Naunheimer Lahninsel
kritisiert. Neben den vier hauptamtlichen Magistratsmitgliedern nutzten die ebenfalls anwesenden Fraktionsvorsitzenden der im Wetzlarer Stadtparlament vertreténen Parteien die Gelegenheit, Bedenken, Anregungen und
Vorschläge der Bürger im O-Ton zu erfahren. Schon im Spätsommer diesen Jahres hatte Wetzlars Umweltdezernent Peter Hauptvogel (FWG) Stadtverordnete,
Ortsbeiratsmitglieder, Vereinsvorstände, Landwirte, Jagdpächter, Stadtverwaltung, Anlieger und Naturschutzvertreter aus Garbenheim und Naunheim zu einem gemeinsamen Gespräch über die Nutzung der Lahnaue in das Vereinsheim der
Segelflieger eingeladen. Fazit: Auch in dieser Gesprächsrunde war insbesondere im Hinblick auf die Verkehrsbelastung des Verbindungsweges zur Naunheimer Lahninsel hin
dringender Handlungsbedarf reklamiert worden. Seitens der anwesenden Vereinsvertreter wurde dabei deutlich gemacht, dass der kritisierte Sachverhalt von den beteiligen Vereinen nicht einfach hingenommen und akzeptiert
werde. Im Gegenteil: So sei beispielsweise der Naunheimer TUS, zu dessen Fußballspielen viele Besucher kämen, schon seit geraumer Zeit dazu übergegangen, auswärtigen Mannschaften und deren Fans die Anreise über Naunheim und
den dortigen Festplatz als Parkplatz zu empfehlen. Dies könne der Verein allerdings nur im Bereich seiner eigenen sportlichen Veranstaltungen sicherstellen. Das Sportamt der Stadt Wetzlar, die Eigentümer der Sportanlagen ist,
verweist regelmäßig auch andere Wetzlarer Sportvereine mit ihren Veranstaltungen auf die Lahninsel. Insofern lasse man sich aus Naunheimer Sicht nicht für andere Vereinsaktivitäten in Haftung nehmen.
Gleiches gelte für den Naunheimer Angelsportverein. Östlich der Lahnschleuse in Richtung Dorlar, dem Pachtgebiet des Vereins, wurde den Anglern durchgängig rücksichtsvolles und naturschonendes Verhalten bescheinigt. Für den Bereich westlich der Naunheimer Schleuse in Richtung Niedergirmes, dem Pachtgebiet des Wetzlarer Angelvereins, sei der Naunheimer Angelverein nicht verantwortlich, so Dr. Klemm, Leiter des städtischen Umweltamtes. Im Garbenheimer Ortsbeirat war der Magistrat der Stadt Wetzlar auf Inatitiative des SPD-Ortsvereins im Spätsommer mit Mehrheitsbeschluß aufgefodert worden, wegen der Probleme in der Lahnaue zu prüfen, ob nicht mit geeigneten arbeitslosen Bürgern der Stadt im Rahmen von “1-Euro-Jobs” eine Gruppe von “Lahnau-Rangern” - früher hätte man Flurhüter dazu gesagt - aufgebaut werden könne. Vorteil: Dies koste die Stadt keinen Cent. Der einzige Aufwand, den die Stadtverwaltung betreiben müsse, sei über die Antragstellung hinaus die Organisation und Schulung der Arbeitslosen. Kosten entstünden für die Aufwandsentschädigung in der Größenordnung von ca. 1,50 Euro pro Stunde. Diese Kosten würden komplett durch die Lahn-Dill Arbeit GmbH übernommen, so Brigitte Droß, Stadtverordnete und Vorsitzende des SPD - Ortsvereins Garbenheim. Aufgabe der “Lahnau-Ranger” solle sein, umweltbezogene Beratungs-, Informations-, Überwachungs- und Dokumentationsaufgaben vorzunehmen sowie die Übernahme anstehender kleinerer Arbeiten z.B. im Bereich der Abfallentsorgung und Landschaftspflege. Im Vordergrund solle die Aufklärung der Besucher der Lahnaue und der Lahninsel mit dem Ziel stehen, durch Sensibilisierung für Umweltfragen und direkter Ansprache von Personen eine Verhaltensänderung zu erreichen. Nein, dies sei nicht vorstellbar, so die schriftliche Antwort des zuständigen Dezernenten Peter Hauptvogel (FWG). Der durchaus überlegenswerte Vorschlag, der in anderen Kommunen in ähnlicher Form längst umgesetz ist, kam wieder einmal, und dies ist ein bekannter Reflex des CDU/FWG/FDP - geführten Magistrates, aus der falschen politischen Ecke. Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette hatte in der Garbenheimer Bürgerversammlung eine vermeintlich bessere Lösung angeboten. Um dem PKW-Verkehr auf dem Verbindungsweg zur Naunheimer Lahninsel zumindest das Rasen zu vermiesen, wolle er sich für die Anbringung von Bodenschwellen verwenden. |
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